Zusammenfassung

Grzegorz Nowak: Freiherren von Gersdorff. Abstammung und Geschichte – von Santok bis Parsko
Zusammenfassung (Sibylle und Dariusz Nowak)

Dieses Buch ist weder eine Verteidigungsschrift noch eine Kritik an den Deutschen, vielmehr ist es ein Versuch, objektiv auf die Geschichte einer deutschen Familie einzugehen, die auf polnischem Gebiet seit dem 17. Jahrhundert angesiedelt war und auch in die polnische Geschichte eingegangen ist. Die Abstammung der Familie von Gersdorff beginnt mit Gero im 10. Jahrhundert. Er war der Sohn des sächsischen Grafen Thietmar und seit 937 der erste und einzige Markgraf der Sächsischen Ostmark. Er spielte eine bedeutende Rolle in der expansiven Politik an der Ostflanke des Ostfränkisch-deutschen Reiches in der Zeit der frühen Ottonen. Zeitgenössische Quellen rühmen seine Tatkraft; späteren Historikern galt Gero als Symbolfigur für eine mittelalterliche „deutsche Ostpolitik”, die je nach Standpunkt als besonders energisch, aber auch als ungemein rücksichtslos und brutal bewertet wurde. König Otto betraute Gero mit der Kriegsführung gegen die Elbslawen an der Elbe und unteren Saale. In erbitterten Kämpfen unterwarf Gero die Slawen. Als während der Kämpfe zwischen Otto und seinem Bruder Heinrich um Merseburg die Slawen ein Komplott planten, ließ Gero in einer Nacht fast 30 slawische Fürsten bei einem Gastmahl ermorden. Gero schlug brutal wiederholt slawische Aufstände nieder.
Nach Meinung des Autors lohnt eine Veröffentlichung der Geschichte der Familie von Gersdorff, ein altes deutsches Adelsgeschlecht, nicht nur im Interesse der Familie, sondern auch um die mit Polen benachbarte Nation und polnischen Ängste besser zu verstehen.
Der Durchschnittspole nimmt die über 1000 Jahre bestehende nachbarschaftliche Beziehungen mit Deutschland als Band militärischen, politischen, wirtschaftlichen und religiösen Dauerkonflikte wahr. Daraus resultiert die negative Bewertung des westlichen Nachbarn, eben die Angst von der Bedrohung aus dem Westen. Geschichtliche Ereignisse (Gero), oft Historiker selbst, Literatur (Sienkiewicz, Prus), aber auch brutales Vorgehen des Naziregimes während des II. Weltkrieges haben dazu geführt, dass das negative Bild der Deutschen so tief in die polnische Mentalität verwurzelt wurde.
Dieses Buch soll dazu beitragen, mit dem negativen Denken über Deutschland zu brechen. Die Mitglieder der Familie Gersdorff aus Parsko, die ihre Geschichte mit Markgraf Gero begonnen hatte, entsprachen nicht dem Schema „der bösen Deutschen”, mit Ausnahme von Gero Freiherr von Gersdorff (Namensvetter des Markgrafen Gero), der mit der nationalistischen Bewegung und SS verbunden war. Rudolf Ernst Freiherr von Gersdorff, der im 19. Jahrhundert in Parsko, Kreis Kosten, dem heutigen Kościan (Großpolen) den Stammsitz seiner Familie gegründet hat und dessen Sohn Ernst Hubert, der vom universellen Grundsatz „noblesse oblige”, geleitet war, hatten in den Zeiten der Teilung des Landes eine ganz andere Einstellung zur polnischen Bevölkerung, als das damalige Preußen mit seinen geltenden politischen Leitlinien. Sie haben eng mit dem polnischen Adel zusammengearbeitet und zum Wohl von Großpolen sowie dem Kreis Kosten (Kościan) beigetragen. Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff, der im April 1943 die Massengräber von über 4000 polnischen Offizieren in Katyn entdeckt und die Mörder ausfindig gemacht hatte, nämlich Einheiten des sowjetischen NKWD, genießt in Polen ein hohes Ansehen. Ebenso ist er in Deutschland als Mitglied des militärischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus bekannt.
Die Geschichte des Dorfes Parsko ist älter als der Besitz der Familie von Gersdorff in diesem Ort. Das Dorf stammt aus dem dreizehnten Jahrhundert. Von Anfang an war die Geschichte des Dorfes Parsko mit der Ansiedlung der deutschen Ritter auf polnischen Boden verbunden. Eine der ersten Besitzer in Parsko war die deutsche Familie Prudel, die aus Sachsen im 13. Jahrhundert kam und sich in Alt Boyen (Stare Bojanowo) ansiedelte. Das Dorf Parsko ist ein hervorragendes Beispiel für die Assimilation der deutschen Siedler in Polen. Die Familie von Gersdorff und andere sind ein Beispiel für die gute wirtschaftliche Zusammenarbeit und korrekten Beziehungen zwischen Deutschen und Polen in der Zeit der Teilung des Landes. Gegenwärtig wird Deutschland als starker Staat wahrgenommen, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern ebenfalls hervorragend sozial organisiert. Die militärische Bedrohung scheint keine Rolle mehr zu spielen.
Die wissenschaftliche Bewertung des Buches ist von Prof. Bożena Górczyńska-Przybyłowicz vom Institut für Geschichte der Adam Mickiewicz-Universität in Poznań durgeführt worden, die schreibt unter anderem: „[…]der Autor basiert auf dem großen Reservoir des Quellenmaterials und spürbar eigenen Forschungsfähigkeiten. Die vorgelegte komplizierte Geschichte der Familie von Gersdorff ist einfühlsam und zuverlässig”.

realizacja:Studio Fabryka